Feriengruß

Liebe Eltern, liebe Schülerinnen und Schüler, liebe Kolleginnen und Kollegen,

 

ganz bewusst spreche ich nach diesem allerletzten Schultag, an dem nun wirklich alle Schülerinnen und Schüler ihr Zeugnis in der Hand halten und wir uns alle gemeinsam auf den Sommer und die Ferien freuen können, die gesamte Schulgemeinschaft an. Ich gönne Ihnen und euch allen die kommende Entspannung von Herzen, liegt doch ein Halbjahr hinter uns, das in der wechselvollen und über 200jährigen Geschichte der Königin-Luise-Stiftung ein besonders bemerkenswertes Kapitel geschrieben hat. Eineinhalb Monate Schulschließung, dann ein reduziertes Unterrichtsangebot, Fernunterricht, verschobene Abiturprüfungen und entfallene MSA-Prüfungsteile –  die Belastungen für alle (und damit meine ich wirklich alle am Schulleben Beteiligte) waren vielfältig und nachhaltig.

 

Und doch gibt es einiges Positives auch an diesem Schuljahr, auf das ich zunächst euren und Ihren Blick lenken möchte:

 

  • Trotz aller Belastungen haben unsere Abiturient*innen hervorragende Leistungen erbracht. An einen besseren Schnitt als den diesjährigen (2,1) können sich auch die älteren Kolleginnen und Kollegen nicht erinnern. Höhepunkt und Abschluss des diesjährigen Abiturs war die stimmungsvolle und trotz Dreiteilung festliche Vergabe der Abiturzeugnisse im Park. Nach ausgefallener Mottowoche, abgesagtem Abiball und mindestens vertagtem Abistreich konnte wenigstens dieser wichtigste Teil der Verabschiedung der Abiturient*innen „gerettet“ werden.
  • Auch die reduziert abgehaltenen MSA-Prüfungen wurden erfolgreich absolviert. In vielen interessanten und auch für uns Prüfer*innen oft sehr lehreichen Präsentationsprüfungen wurden zum Teil sehr überzeugende Leistungen erbracht – wieder wurde der Prüfungsteil des mittleren Schulabschlusses von allen Schüler*innen des Gymnasiums bestanden.
  • Wir haben die Zeit genutzt, bei Sanierung, Bau und technischer Ausstattung weiterzukommen. Seit März ungenutzte naturwissenschaftliche Räume wurden saniert und technisch auf den neuesten Stand gebracht, ein großer Fitnessraum wurde eingerichtet und ein neues Treppenhaus vom Foyer auf den Hof wird die Schülerströme entzerren. Dank der Zuwendungen des Fördervereins können wir auch die Ausstattung der Klassenräume mit Nahdistanzbeamern weiter voranbringen.
  • Schüler- und Lehrerschaft standen gleichermaßen vor der großen Aufgabe, sich in rekordverdächtig kurzer Zeit zu „digitalisieren“. Für uns Lehrende hieß das, eine funktionierende und zuverlässige Plattform bereitzustellen, Digitalkompetenzen auszubilden und einzuüben und sicherzustellen, dass Kompetenzen und Inhalte weiter engagiert und mit möglichst großer Intensität vermittelt werden. Und auch wenn sich in dieser Zeit zeigte, dass die konkrete Präsenz von Lehrenden und Lernenden nur ansatzweise durch virtuelle Lernräume zu ersetzen ist, zeigt das Feedback aus GEV, SV und Kollegium, dass uns dies dennoch in weiten Teilen gelungen ist. Auch ihr Schülerinnen und Schüler musstet erheblich dazulernen. Ich bin aber sicher, dass euch die erworbenen digitalen Kompetenzen und die Fortschritte, die ihr in Bezug auf Selbststrukturierung und selbstständigem Lernen gemacht habt, auch im normalen Unterricht enorm zugutekommen werden.
  • Und vielleicht das Wichtigste: Wir sind in Verbindung geblieben und haben den Kontakt zueinander gehalten. Ich danke den Kolleginnen und Kollegen, die sich gegenseitig unterstützt haben und die abgetauchten Schüler*innen hinterhergetaucht sind, den Klassenleitungen, die Ihre Schülerinnen und Schüler sowie die Elternschaft auf dem Laufenden gehalten haben, dem Vorstand der GEV (insbesondere Frau Dr. Dietrich), der in enger Absprache mit der Schulleitung wichtige Informationen in beide Richtungen übermittelt hat. Ich danke auch den Schulsprechern Jan Nauck, Robin Specht und Marlen Hannen, die zunächst digital und zuletzt auch wieder analog in gemeinsamen Sitzungen die Belange der Schülerschaft lösungsorientiert vertreten haben.

In der Krise zeigte sich dass unser Leitbild „Selbst sein – Miteinander – Weiterkommen“ auch besonderen Belastungen standhält.

 

Und doch kann dieser Brief mit diesem positiven Bild nicht enden. Eine Krise ist nun einmal in erster Linie eine Krise und erst in zweiter Linie eine Chance. Wir können nicht so tun, als hätte es die Zeit seit 16. 3. nicht gegeben oder als wären Lockdown und der gedrittelt abgehaltene Präsenzunterricht einfach so zu kompensieren gewesen. Auch wenn wir durchaus differenziere Einblicke in die Schülerleistungen beim remote learning bekommen haben, bleibt es mitunter schwierig, genau einzuschätzen, wo sich Lücken aufgetan haben. Wir werden uns, auch wenn uns keine standardisierten und auf unseren Unterricht angepassten Lernstandserhebungen zur Verfügung stehen, im neuen Schuljahr zunächst ein Bild zu machen versuchen, was angekommen ist und auf dieser Basis weiterunterrichten.

Vielfach bin ich gefragt worden, wie wir die nicht oder nur ansatzweise unterrichteten Inhalte aufholen wollen. Dabei ist zu beachten, dass Unterricht nicht mit dem Vermitteln von Inhalten gleichzusetzen ist. Ihr Schülerinnen befindet euch in einem kontinuierlichen Kompetenzerwerbsprozess, der schon vor der ersten Klasse begonnen hat. Dieser Prozess hat sich in der Corona-Zeit verlangsamt oder ist ins Stocken geraten. Unsere Aufgabe ist es, ihn wieder auf Normalgeschwindigkeit zu bringen, damit ihr bereits erworbene Kompetenzen erweitern und ausdifferenzieren und neue Kompetenzen entwickeln könnt, um eure angestrebten Bildungsziele zu erreichen. Habt Vertrauen in uns und euch selbst, dass uns das gemeinsam gelingen wird.

Für die Q2 arbeitet die Senatsverwaltung an Lösungen. So werden nach meiner Kenntnis in wichtigen Fächern weitere Abituraufgaben entwickelt, damit für die Themen in Q2 mehr Wahlfreiheit und bessere Chancen bestehen.

 

Wie geht es weiter? Nach den Sommerferien werden wir einen weitgehend normalen Schulbetrieb aufnehmen. Heute ist uns der  Musterhygieneplan zugegangen. Hier wird insbesondere Folgendes geregelt:

 

  • Die Mindestabstandsregel von 1,5 Metern wird für alle unmittelbar im Bereich Schule tätigen Personen (Schülerinnen und Schüler sowie Dienstkräfte) in der Schule und im Rahmen schulischer Veranstaltungen aufgehoben. Wo immer es möglich ist, soll der Mindestabstand eingehalten werden.
  • Die Mindestabstandsregel soll gegenüber schulfremden Personen beibehalten werden. Dies ist auch im Umgang mit den Eltern zu beachten. Das Betreten des Schulgeländes für schulfremde Personen ist nur mit einer Mund-Nasen-Bedeckung zulässig.
  • Bei Dienstbesprechungen und Sitzungen weiterer schulischer Gremien sowie Eltern- und Schülerversammlungen soll ein Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten werden, soweit die Umstände dies zulassen. Andernfalls wird den Beteiligten dringend empfohlen eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen.
  • Bei Symptomen einer Atemwegserkrankung oder sonstigen mit COVID-19 zu vereinbarenden Symptomen (s. Website des RKI) soll die betroffene Person zu Hause bleiben.
  • Berührungen, Umarmungen und Händeschütteln sollen unterlassen werden.
  • Basishygiene einschließlich der Händehygiene ist einzuhalten: Die wichtigste Hygienemaßnahme ist das regelmäßige und gründliche Händewaschen mit Seife für eine Dauer von 20 bis 30 Sekunden (siehe auch www.infektionsschutz.de/haendewaschen)
  • Persönliche Gegenstände sollen nicht mit anderen Personen geteilt werden, z.B. Stifte, Trinkbecher etc.
  • Husten- und Niesetikette: Husten und Niesen in die Armbeuge gehören zu den wichtigsten Präventionsmaßnahmen. Beim Husten oder Niesen größtmöglichen Abstand halten, am besten wegdrehen.
  • Eine Maskenpflicht besteht in der Schule nicht, ausgenommen sind schulfremde Personen.

 

Für den Fall, dass das Infektionsgeschehen am Beginn oder im Laufe des Schuljahres 2020/21 wieder erheblich ansteigt wodurch an Schulen wieder zentral vorgegebene strengere Hygiene‐ und Abstandsregeln gelten sollten, ist eine Rückkehr zum Modell von Präsenzunterricht und schulisch angeleitetem Lernen zu Hause möglich. Die Senatsverwaltung sagt dazu:

„Alle Schulen bereiten sich darauf konzeptionell vor. Sollte es zu diesem Fall kommen, ist es weiterhin Ziel, unter voller Ausschöpfung des einsetzbaren pädagogischen Personals mindestens die Wochenstundentafel der jeweiligen Jahrgangsstufe im Präsenzunterricht abzudecken. Lerngruppen in Klassenstärke sind zu teilen (Halbierung). In den weiterführenden allgemeinbildenden Schulen ist die Wochenstundentafel innerhalb von zwei aufeinander folgenden Unterrichtswochen als Mindestpräsenzunterricht zu erteilen. Dies gilt entsprechend für den Präsenzkursunterricht in der Qualifikationsphase der gymnasialen Oberstufe.“

Letzteres entspricht ziemlich exakt unseren konzeptionellen Überlegungen, die wir bereits vor dieser Mitteilung der Senatsverwaltung angestellt haben.

Für das Lernen zu Hause im Falle eines erneuten Lockdowns erarbeiten wir ein Konzept zum schulisch angeleitetem Lernen zu Hause. Wir nutzen dabei die im laufenden Schuljahr gewonnenen Erfahrungen, und das Feedback aus Schüler-, Eltern- und Lehrer*innenschaft um die Aufrechterhaltung der durchgängigen Lernprozesse für alle Schülerinnen und Schüler bestmöglich zu erhalten. Eine Steuergruppe hat die Arbeit an diesen konzeptionellen Überlegungen und einheitlichen Handlungsmaßstäben gerade aufgenommen, ein Studientag in der Präsenzzeit am Ende der Sommerferien soll den Raum für Fortbildung und Austausch geben. Technisch wird gerade geprüft, welche (auch finanziellen) Anstrengungen wir unternehmen müssten, um unser Netz zu stabilisieren und zu beschleunigen und beispielsweise die Uploadrate zu erhöhen.

 

Wir freuen uns, dass wir für das kommende Schuljahr personell gut aufgestellt sind, obwohl mit Ms Burnett und Herrn Kuhnow zwei Kolleg*innen die Stiftung verlassen, die über viele Jahre ihre Fachbereiche prägten. Bereits Ende März ging Herr Paulick in den Ruhestand, der als stellvertretender Schulleiter des Gymnasiums die Stiftung in leitender Funktion mitgestaltete. Die Verabschiedungsfeiern wurden selbstverständlich nur verschoben. Eine Kollegin hat ihre Elternzeit verlängert und gleich drei Kolleginnen wurden schwanger – was uns natürlich außerordentlich freut! Mit Frau Alaviuhkola, Frau Medina Garcia, Frau Luthardt und Herrn West, füllen wir die freigewordenen Stellen, die sich insbesondere in Englisch aufgetan haben. Die Fachbereiche Englisch und Spanisch werden mit muttersprachlichen Lehrkräften weiter verstärkt. Ein anderer Wechsel ist eher formaler Natur: Herr Hilbrecht hat mit Bestnote sein zweites Staatsexamen absolviert und wird nun als voll ausgebildeter Lehramtsassessor an unseren Schulen weiterwirken – herzlichen Glückwunsch!

 

Zu nennen sind in diesem Zusammenhang auch Herr Schürmann, der sich sein erstes Jahr als stellvertretender Schulleiter des Gymnasiums sicher nicht so intensiv und herausfordernd vorgestellt hat und Frau zu Eicken, die als „Oko in charge“ das Abitur vor Ort nahezu alleine managen musste. Beiden sei für ihre tolle Arbeit und die große Unterstützung herzlich gedankt!

 

Auch wenn heute niemand sagen kann, was die nähere und fernere Zukunft bringen wird, schlage ich vor, dass wir alle gemeinsam mit großzügigem Optimismus in das neue Schuljahr blicken! Angesichts der wertschätzenden Haltung, des großen Engagements und des Verständnisses, das alle in den letzten Monaten gezeigt haben, sehe ich gute Gründe dafür.

 

Ich wünsche allen eine entspannte und erholsame Sommerzeit und freue mich, euch und Sie alle im August gesund wiederzusehen.

 

Bis dahin: herzliche Grüße

 

Dr. Matthias Schönleber

Schulleiter des Gymnasiums der Königin-Luise-Stiftung