Rede von Senator Zöllner auf dem Festakt am 15.4.2011

anlässlich des 200jährigen Bestehens der Königin-Luise-Stiftung (KLS)

 

200 Jahre Königin Luise Stiftung, 200 Jahre privates Engagement für das Allgemeinwohl, 200 Jahre unter der Idee der Überwindung von Bildungsschranken.

Das ist eine eindrucksvolle und besondere Bilanz, zu der ich Ihnen, liebe Frau Range-Schmedes ganz herzlich gratuliere!

Ich freue mich heute Ihr Gast sein zu dürfen. Wenn ein Bildungssenator eine Schule in freier Trägerschaft besucht und dabei auch noch lobt, muss das kein Widerspruch zur Idee der öffentlichen Schule sein. Schulen in freier Trägerschaft können eine sinnvolle Ergänzung zu öffentlichen Schulen sein.

Das, was man über die Königin-Luise-Stiftung jüngst lesen konnte, bestätigt mein Bild, hier mit meinem Lob am richtigen Platz zu sein. Keine Eliteschule, Gemeinnützigkeit, „hier gehört die Zusammenarbeit mit der Jugendhilfe zum Konzept". All dies sind eher Überraschungen, wenn man zunächst die Stichworte „Privatschule in Dahlem" hört.

Ich freue mich deshalb besonders darüber, weil es zeigt, dass privates Engagement, sozialer Impetus und Verpflichtung für ein Mehr an Chancengerechtigkeit betont miteinander verwoben werden können. Wenn dies so ist, ergeben Schulen in freier Trägerschaft ihren ganz besonderen Sinn.


Bei aller berechtigten Begeisterung für das Besondere, auch an das Besondere „Normale" an dieser Schule in Dahlem möchte ich den Blick auch auf ein paar wenige, grundsätzliche Überlegungen lenken: Die Zeiten einer weitestgehend gleichförmigen, ja gleichschrittartigen Entwicklung von Schulen sind Vergangenheit. Kaum eine Schule Berlins gleicht der anderen, jede Schule hat also ihr Besonderes. Dieser Satz gilt für öffentliche Schulen auf dem Weg in eine immer größer werdende Eigenverantwortung genauso wie für Schulen in freier Trägerschaft.

Die Politik setzt für diese Entwicklung den notwendigen Rahmen, verordnet aber immer weniger Detailregeln. Im Gegenzug zu dieser Form von Freiheiten kommt der Qualitätsüberwachung und der Transparenz an Schulen eine immer wichtigere Rolle zu. Verschiedene Wege auf dem Gebiet der Schulgestaltung, Unterrichtsorganisation und Profilbildung können zu gleich guten Ergebnissen führen. Die Entscheidungen, welcher Weg zu den Bedingungen vor Ort passt, treffen die Schulen, die mit ihrem Potenzial, ihren Know-How eben auch vor Ort sind.

Schulen in freier Trägerschaft ergänzen dieses Bild. Sie sollten Partner und Motivatoren für öffentliche Schulen sein. Einerseits lässt sich Manches an Schulen in freier Trägerschaft mutiger und schneller umsetzen. Andererseits setzen öffentliche Schulen bei vielen Standards und Evaluationsmethoden inzwischen die Maßstäbe. Mit dem Qualitätspaket setzt Berlin hier übrigens seinen Weg transparent fort. Wir scheuen keinen Vergleich, auch wenn uns Vergleiche nicht immer zum Ausruhen animinieren.

Ich bin überzeugt, dass die Attraktivität von Schulen weiter wächst, wenn sich engagierte Kollegien hier wie dort der Aufgabe verschreiben, die Herausforderungen, die die jeweiligen Schülerschaften bieten, bestmöglich zu erkennen und in ihren Besonderheiten zu fordern und zu fördern.

Dies gilt im Wedding wie in Wilmersdorf, in Dahlem wie in Oberschöneweide.

 

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