Mehr als nur ein Denkmal für die Königin

Historische Dokumente spiegeln die einzigartige Geschichte der Königin-Luise-Stiftung

Preußen, ein Land, das es nicht mehr gibt, hatte wie so viele andere bis vor rund 90 Jahren Könige und Königinnen zu Herrschern. Diese waren mehr oder minder beliebt. Sehr beliebt, verehrt sogar, war die Königin Luise. Als sie am 19. Juli 1810 starb, wollten die „tiefgebeugten Bewohner des preußischen Staats" ihrer „allverehrte(n) Königin" ein Denkmal setzen. Und weil damals wie heute ein Bildungsnotstand erkannt wurde, gründeten engagierte Bürger - Handwerker, Kaufleute, Künstler, Kirchenmänner, ja hohe königliche Beamte - eine Schule, eine Schule für Mädchen. Denn diese waren in jener Zeit noch mehr als später im gesellschaftlichen Leben benachteiligt.

Dem König gefiel das und er gab sein Wohlwollen. Wohlwollen und manches an Geld sowie viele gute Ideen mit auf den Weg gaben auch die Bürger, die die Stiftung einrichteten. Unter Ihnen waren viele berühmte Leute, deren Namen man heute noch gut kennt: Wilhelm von Humboldt unterstützte den Schulaufbau mit seinen Ideen und seinem Einfluss als preußischer Minister für Kultus und Bildung, Heinrich von Kleist fand die Idee der Schule so gut, dass er sie seiner Cousine als Arbeitsplatz empfahl, und der General Gneisenau schickte gleich vier Töchter in die Schule, die als Luisen-Stiftung nach einem Jahr reiflicher Vorbereitung am 19.07.1811 gegründet worden war.

Die Schule sollte eine „Anstalt sein, worin junge Mädchen, welche für das häusliche oder öffentliche Erziehungswesen sich zu bilden wünschen, Gelegenheit finden, die Geschäfte der Hausfrau und Lehrerin ausübend zu lernen", wie es in den alten Unterlagen aus der Gründungszeit heißt.
Dass es diese alten Dokumente noch gibt, ist es kleines Wunder. Und vor allem, dass es sie noch in sehr so reicher Zahl und an der Schule selbst gibt, ist für die Schule ein Schatz von kaum hoch genug zu messendem Wert! Denn die Königin-Luise-Stiftung, wie sie heute heißt, ist nicht nur in der Region Berlin-Brandenburg (die ehemals das Kerngebiet des Staates Preußen war), sondern in Deutschland eine der ältesten Einrichtungen der Kinder- und Jugenderziehung. Die Kontinuität, mit der sie seit knapp 200 Jahren in ihrer Arbeit auf Generationen von Mädchen und später auch von Jungen wirken konnte, ist wirklich außergewöhnlich!

Und dieses lange, lange Wirken hinlässt natürlich nicht nur Spuren im Leben der Menschen, sondern auch auf Papier: als Brief, Schulzeugnis, Klassenbuch oder Stundenplan, als Bauunterlagen, Ausgabenbuch der Verwaltung oder Schülerregister. All dies und vieles mehr lagerte unsortiert viele Jahre nahezu unbeachtet, lieb- und achtlos in Kisten und Kartons verstaut, im heutigen Hauptgebäude der Königin-Luise-Stiftung in der Podbielskiallee 78.
Im vergangen Jahr nun haben sich junge Wissenschaftler im Auftrag der Schule daran gemacht, Ordnung in die alten Folianten zu bringen. Wissenschaftlich nennt man das, was dort gemacht wurde, eine „Flache Erschließung". Diese ist nun fertig, es gibt ein sogenanntes „Findbuch", in dem nachzulesen steht, welche verschiedenen Dokumente erhalten geblieben sind.

Und da diese Dokumente nicht wieder in Vergessenheit geraten sollen, müsste nun ein richtiges Archiv angelegt werden, wo Schüler, Lehrer, Wissenschaftler von Hochschulen und Instituten die Möglichkeit bekommen, die einmalige Geschichte der Königin-Luise-Stiftung zu erforschen und damit in vielem die Wissenschaft zu bereichern.

Damit dies geschehen kann, muss noch viel Arbeit geleistet werden, Arbeit die - wie damals bei der Entstehung der Stiftung - viel Unterstützung benötigt. Denn zum Aufbau eines Archivs sind Fachleute notwendig, die mit ihrem Wissen und Können dem Nutzer eines solchen mit Rat und Tat zur Seite stehen und weiter Ordnung bringen in die Fülle bis heute unbekannter Handschriften herausragender Persönlichkeiten der Kunst- und Kulturgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts.

© 2017 Königin-Luise-Stiftung